Frankreich

Nana - Émile Zola

Verfasst von Hagen Graf am 30. March 2009 - 20:24

Wikipedia schreibt über Émile Zola:

Zola gilt als einer der großen französischen Romanciers des 19. Jahrhunderts und als Leitfigur der gesamteuropäischen literarischen Strömung des Naturalismus. Zugleich war er ein sehr aktiver Journalist, der sich auf einer gemäßigt linken Position am politischen Leben beteiligte.

Klingt sympathisch. Nachdem ich das Buch durchgelesen hatte, kam ich mir vor, wie ein Vogel, der sich nach einer aufregenden Situation erstmal das Gefieder schüttelt.

Die Story ist einfach: Nana, ein Kind aus einem armen Hause wird eine erfolgreiche Hure im Paris der 1870er Jahre. Der wirkliche Eintritt in die "Gesellschaft" wird ihr jedoch verwehrt. Sie rächt sich auf subtile Weise indem Sie ihre Freier ruiniert., Sie "verbrennt" gewissermaßen deren Besitz im Tausch gegen Ihre Liebesdienste (In einem Fall wirft Sie Diamanten ins Feuer und zu sehen, ob sie brennen - coole Idee :-) ).

Was mir gefallen hat, ist der Erzählstil. Ich konnte mich gut in die Zeit versetzen und teilweise kam es mir vor als würde ich Gerüche und Geräusche wahrnehmen. Der "Hurenteil" mit sexuellen Beschreibungen ist für heutige Verhältnisse verschwindend gering und vermutlich würde das Buch für 6jährige freigegeben werden (gDibt es eigentlich eine Kontrolle für Bücher?). Die Geschichte spielt zum größten Teil in Paris und weil ich zufällig in Paris war, als ich manche Kapitel las, war es schön, mal nachsehen zu können, wie es heute an den Plätzen aussieht, an denen die Handlung des Buches spielt.

Für mich am Interessantesten war die Schilderung der Organisationstrukturen der damaligen Gesellschaft und wie hoffnungslos die Bemühungen von Nana wirken in der "Gesellschaft" etwas zu gelten. Viele der dort beschriebenen Strukturen begegnen mir in der heutigen Zeit immer noch und ich bin fasziniert, wie wenig sich doch in den letzten 140 Jahren geändert hat. Das gilt für die Art Geschäfte zu machen, Kredite abzuschließen, Netzwerke zu knüpfen, politischen Einfluß zu gewinnen, ein "Star" zu werden, etc.

Während ich das Buch las, gab es um die Website der nächsten Drupal Konferenz ein große Diskussion, die mich ein wenig schmunzeln lies - Louise und das Druplicon mit Bart.

2009-03 Paris

Verfasst von Christine Graf am 12. March 2009 - 11:38

Paris

Diesmal wohnen wir in einem kleinen, gemütlichen Hotel im 17. Arrondissement.
Das Arrondissement liegt im Nordwesten von Paris und ist um die früheren Dörfer Batignolles, Monceau und Clichy herum entstanden. Der nördliche Teil, am Place de Clichy ist ein typisches Arbeiterviertel, im südlichen Teil, in Richtung Grands Boulevards, leben die etwas Vermögenderen. Insgesamt wohnen hier ca. 160.000 Menschen, die meisten davon leben allein und es gibt um die 26.000 Unternehmen.
Es ist ein schönes Viertel. Es entspricht in jeder Richtung dem Klischée des typischen Pariser Lebens: mondäne Häuser, buntes Treiben, viele Cafés, Restaurants, Marktstände mit allen Leckereien Frankreichs die laustark und mit blumigen Lockungen von den Händlern feilgeboten werden. Es ist wie auf einer Theaterbühne, das Schauspiel beginnt jeden Morgen aufs neue.
Nach der Rückkehr aus Washington sauge ich diese Athmospäre auf wie ein Schwamm. Der Kontrast könnte kaum größer sein!
Wir laufen durch die Straßen, bis zur Sacré-Cœur, von da zum Centre Pompidou, sitzen im Cafe und gucken Leute, essen lecker bei Iris (au Panier d'Iris, in der rue de Saussure).

Wir bummeln durchs Marais, bewundern die alten, wunderschönen Adelsresidenzen, die im 16. Jahrhundert hier gebaut wurden, als Henry IV. hier sein Schloß hatte.

Gegend Ende des 19. Jahrhundert siedelten sich hier Juden aus Osteuropa. Das Marais war dadurch auch eines der Hauptziele der Nazis während der Besetzung Frankreichs im zweiten Weltkrieg.

In den 90iger Jahren des vorigen Jahrhunderts haben vorallem Künstler, Designer, Modemacher das Viertel wiederentdeckt und begannen mit der Restaurierung der Häuser. Heute ist es eine der teuersten Wohngegenden von Paris.

Die jüdische Gemeinde von Paris hat hier ihr Zentrum und rund um die Rue de Rosiers findet man eine Vielzahl jüdischer Geschäfte.
Wir schauen eine Weile jüdischen Straßenverkäufern zu, die beinahe jeden vorbeigehenden Mann ansprechen und ihm irgendein jüdisches Zubehör (Kippa oder kleine Würfel mit Versen aus der Thora verkaufen wollen. Es sind amerikanische Schüler des jüdischen Gymnasiums, sie bessern sich ihr Taschengeld auf :-)

Das Marais beherbergt im ehemaligen Hôtel Salé, das Musée Picasso mit 250 Exponaten des Künstlers.  Familienangehörige schenkten die Sammlung in den 70iger und 80iger Jahren dem französischen Staat um so die Erbschaftssteuer zu begleichen.
Als ich dieses Museum vor beinahe 10 Jahren zum ersten Mal besuchte, hat es ich dazu angeregt, mich näher mit Picasso, seiner Kunst, seinem Leben und der Kunst dieser Zeit zu beschäftigen. Ich bin sozusagen ein Picasso Fan geworden. Der Mann hat mit allen Materialien gespielt und gearbeitet und das gleiche Thema auf verschiedene Arten präsentiert. Am meisten beeindruckt mich seine Fähigkeit zur Reduktion, mit wenigen Strichen das Wesentliche in einem Gesicht, einer Figur zu zeigen. Und ich mag seine Skulpturen ...
Inzwischen hat, wie es scheint, das Museum eine neue Leitung bekommen und die versucht, die Ausstellung zeitgemäßer zu präsentieren. Das ist zumindest die Aussage des Videos zur Ausstellungsgestaltung, welches man in der Ausstellung sehen kann. Die Ideen sind ganz nett ( optische Teilung des Hauses durch eine Spiegelwand), aber dafür leidet, m.E., die Chronologie und Übersichtlichkeit der Ausstellung.
Aber es war trotzdem schön, diese Bilder und Skulpturen wieder einmal gesehen zu haben.

So, und nun fahre ich wieder nach Hause.

TGVParisOpéraParisParisRue St HonoréRue St HonoréRue St HonoréRue St HonoréJeanne d'ArcJeanne d'ArcParisParisSeineParisParisTerminal 1Aeroport Charles de GaulleDublin AirportDublin AirportParisParisParisParisSacre CoeurIt's rainingParisParisParisParisParisParisParisParisGare du nord

Der Afrikaner - J.M.G le Clézio

Verfasst von Hagen Graf am 21. February 2009 - 12:21

Jean-Marie Gustave Le Clézio ist laut Buchcover einer der bedeutendsten zeitgenössischen französischen Schriftsteller. Er beschreibt in dem Buch seine Erinnerungen an eine Reise nach Afrika im Jahre 1948. Er war damals acht Jahre alt und besuchte gemeinsam mit seiner Mutter und seinem Bruder seinen Vater, der in Kamerun und Nigeria Arzt war. Der Vater hat damals fotografiert und J.M.G le Clézio erzählt auch anhand der Fotos seine Geschichte und die Geschichte seines Vaters. Ich fand den Text einfach gut und sehr ehrlich. 

Hier zwei Zitate aus dem Buch, die mir sehr gefallen haben:

Ich habe mit den Ebenholzfiguren und den Bronzeglöcken gespielt, habe Kaurimuscheln anstelle der üblichen Knöchelchen für geschicklichkeitspiele benutzt. Für mich hatten diese Gegenstände, die geschnitzten Holzfiguren und die Masken an den Wänden nichts exotisches. Sie waren meine afrikanische Seite, sie erweiterten mein Leben und erklärten es in gewisser Weise. Und abgesehen von mir sagten sie etwas über die Zeit aus, die mein Vater und meine Mutter dort in dieser anderen Welt, in der sie glücklich gewesen waren, verbracht hatten. Wie soll ich es sagen? Ich war verwundert, ja empört, als ich sehr viel später entdeckte, daß solche Gegenstände von Menschen gekauft und ausgestellt werden konnten, die all das nicht kennengelernt hatten und für die diese Dinge nichts bedeuteten, schlimmer noch, für die diese Iguren und diese Thronhocker nichts lebendiges waren, sondern eine tote Hülle, die man gern als "Kunst" bezeichnete.

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