bildungsreisen

2009-09 Stara Lubovna, Slowakei

Verfasst von Christine Graf am 28. September 2009 - 17:00

Stara Lubovna

Eine schöne Sommerzeit hier in Fitou geht für mich zu Ende, ich gehe wieder auf Reisen.
Diesmal starte ich mit einem Projektmeeting in der Slowakei, in Stara Lubovna. Das liegt ziemlich tief drinnen in der Slowakei, nahe der polnischen Grenze, am Fuß der hohen Tatra. Das sind so Orte, die liegen soweit außerhalb des  "normalen" Fokus, das es ziemlich schwierig wird, überhaupt dorthin zu gelangen. Ich fliege also über Prag nach Kosice und von dort weiter nach Poprad.

2009-03 Paris

Verfasst von Christine Graf am 12. March 2009 - 11:38

Paris

Diesmal wohnen wir in einem kleinen, gemütlichen Hotel im 17. Arrondissement.
Das Arrondissement liegt im Nordwesten von Paris und ist um die früheren Dörfer Batignolles, Monceau und Clichy herum entstanden. Der nördliche Teil, am Place de Clichy ist ein typisches Arbeiterviertel, im südlichen Teil, in Richtung Grands Boulevards, leben die etwas Vermögenderen. Insgesamt wohnen hier ca. 160.000 Menschen, die meisten davon leben allein und es gibt um die 26.000 Unternehmen.
Es ist ein schönes Viertel. Es entspricht in jeder Richtung dem Klischée des typischen Pariser Lebens: mondäne Häuser, buntes Treiben, viele Cafés, Restaurants, Marktstände mit allen Leckereien Frankreichs die laustark und mit blumigen Lockungen von den Händlern feilgeboten werden. Es ist wie auf einer Theaterbühne, das Schauspiel beginnt jeden Morgen aufs neue.
Nach der Rückkehr aus Washington sauge ich diese Athmospäre auf wie ein Schwamm. Der Kontrast könnte kaum größer sein!
Wir laufen durch die Straßen, bis zur Sacré-Cœur, von da zum Centre Pompidou, sitzen im Cafe und gucken Leute, essen lecker bei Iris (au Panier d'Iris, in der rue de Saussure).

Wir bummeln durchs Marais, bewundern die alten, wunderschönen Adelsresidenzen, die im 16. Jahrhundert hier gebaut wurden, als Henry IV. hier sein Schloß hatte.

Gegend Ende des 19. Jahrhundert siedelten sich hier Juden aus Osteuropa. Das Marais war dadurch auch eines der Hauptziele der Nazis während der Besetzung Frankreichs im zweiten Weltkrieg.

In den 90iger Jahren des vorigen Jahrhunderts haben vorallem Künstler, Designer, Modemacher das Viertel wiederentdeckt und begannen mit der Restaurierung der Häuser. Heute ist es eine der teuersten Wohngegenden von Paris.

Die jüdische Gemeinde von Paris hat hier ihr Zentrum und rund um die Rue de Rosiers findet man eine Vielzahl jüdischer Geschäfte.
Wir schauen eine Weile jüdischen Straßenverkäufern zu, die beinahe jeden vorbeigehenden Mann ansprechen und ihm irgendein jüdisches Zubehör (Kippa oder kleine Würfel mit Versen aus der Thora verkaufen wollen. Es sind amerikanische Schüler des jüdischen Gymnasiums, sie bessern sich ihr Taschengeld auf :-)

Das Marais beherbergt im ehemaligen Hôtel Salé, das Musée Picasso mit 250 Exponaten des Künstlers.  Familienangehörige schenkten die Sammlung in den 70iger und 80iger Jahren dem französischen Staat um so die Erbschaftssteuer zu begleichen.
Als ich dieses Museum vor beinahe 10 Jahren zum ersten Mal besuchte, hat es ich dazu angeregt, mich näher mit Picasso, seiner Kunst, seinem Leben und der Kunst dieser Zeit zu beschäftigen. Ich bin sozusagen ein Picasso Fan geworden. Der Mann hat mit allen Materialien gespielt und gearbeitet und das gleiche Thema auf verschiedene Arten präsentiert. Am meisten beeindruckt mich seine Fähigkeit zur Reduktion, mit wenigen Strichen das Wesentliche in einem Gesicht, einer Figur zu zeigen. Und ich mag seine Skulpturen ...
Inzwischen hat, wie es scheint, das Museum eine neue Leitung bekommen und die versucht, die Ausstellung zeitgemäßer zu präsentieren. Das ist zumindest die Aussage des Videos zur Ausstellungsgestaltung, welches man in der Ausstellung sehen kann. Die Ideen sind ganz nett ( optische Teilung des Hauses durch eine Spiegelwand), aber dafür leidet, m.E., die Chronologie und Übersichtlichkeit der Ausstellung.
Aber es war trotzdem schön, diese Bilder und Skulpturen wieder einmal gesehen zu haben.

So, und nun fahre ich wieder nach Hause.

TGVParisOpéraParisParisRue St HonoréRue St HonoréRue St HonoréRue St HonoréJeanne d'ArcJeanne d'ArcParisParisSeineParisParisTerminal 1Aeroport Charles de GaulleDublin AirportDublin AirportParisParisParisParisSacre CoeurIt's rainingParisParisParisParisParisParisParisParisGare du nord

2009-03 Washington DC

Verfasst von Christine Graf am 11. March 2009 - 19:28

Lincoln Memorial

Washington ist total anders als New York.
Der Bus hält in Chinatown und nur einen Block davon ist das Convention Center (CC), wo wir in den nächsten drei Tagen an einer Konferenz teilnehmen werden. Es liegt unweit der New York Avenue, in der Straße, in der ich auch ein Hotel gebucht habe. Allerdings, das CC liegt im Nordwesten und unser Hotel im Nordosten dieser Straße. Das bedeutet, wir müssen ca. 2 Meilen laufen und nach der langen Busfahrt wollen wir auch laufen. Am Anfang des Weges, wo es noch Fußwege gibt, ist das auch ganz o.k. Aber dann verengen sich die Fußwege zu Trampelpfaden und die Straße wird zu einer vierspurigen Straße. Es ist kalt, wir können unsere Koffer nicht hinter uns her ziehen, sondern müssen sie tragen. Das Hotel liegt auf der anderen Seite der Straße und die Überquerung ist ziemlich gefährlich, es herrscht dichter Feierabendverkehr und es gibt keinen Fußgängerüberweg.
Es ist nicht einfach, ein relativ preisgünstiges Hotel in Washington zu finden und als ich im Internet das Howard Johnson Express Inn gefunden hatte, für immerhin 96 Dollar pro Nacht, war ich eigentlich ganz glücklich. Aber das ist nicht wirklich ein Hotel, es ist mehr ein Motel, so eines, wie man es aus den typischen amerikanischen Roadmovies kennt und ziemlich runtergekommen. Das Zimmer war dafür, dass es direkt an der vierspurigen Straße, relativ ruhig. Naja, man kann hier niemals den Vorhang oder gar das Fenster öffnen, wahrscheinlich hatte auch noch niemals jemand diesen Wunsch, und deshalb war es auch ein ziemlich beklemmendes, muffiges Gefühl. Und es war kalt. Aber wir hatten auch hier eine kombinierte Klima- und Heizungsanlage, die ziemlich lange brauchte, um ein wenig warme Luft zwischen die Pappwände zu bringen.  

Eigentlich wollten wir nach der Konferenz noch zwei Tage in Washington verbringen, aber wir beschließen sofort, unseren Flug umzubuchen und eher nach Hause zu fliegen.

Washington ist nicht besonders groß. Es gibt die monumentalen Bauten im Regierungsviertel, monumentale Museen und ebensolche Wohn- und Appartmentanlagen. Am Rande findet man noch die kleinen alten, sehr an England erinnernden Häuser, teilweise sehr schön zurecht gemacht, teilweise total vergammelt. Wir laufen ein bißchen herum, hoffen, ein nettes Restaurant zu finden und stehen plötzlich vor dem Weißen Haus. Es sieht aus wie frisch gewaschen und der Posten, ein paar Meter entfernt von uns, guckt noch nicht mal, als wir am Zaun stehen und ein paar Fotos machen. Es ist alles sehr unspektakulär und ruhig.

Wir gehen zurück zum Hotel, am Gebäude des FBI (ein riesiger Betonbau gegenüber dem Spymuseum) vorbei. Irgendwie hab ich etwas Aufregenderes erwartet, aber nix. Politik ist wahrscheinlich auch nur ein normaler Job und die Leute haben bestimmt Feierabend, ist ja auch schon spät.

Wir finden natürlich kein nettes Restaurant, wir landen, unweit von unserem Hotel bei Wendy's, wo wir die hausgemachten Burger probieren. Es ist definitiv nicht mein Essen und ich habe erhebliche Schwierigkeiten mit dieser nicht vorhandenen Eßkultur. Aber die Leute sind sehr freundlich.

Am nächsten Tag, es ist inzwischen 16 Grad warm, besuchen wir die wahrscheinlich amerikanischsten Plätze überhaupt. Wir gehen in zur  National Mall, gucken uns das Second World War Memorial an, gehen am Washington Monument vorbei, zum Lincoln Memorial, dem Denkmal, wo Abraham Lincoln in Überlebensgröße, in weißem Mamor gehauen, auf einem Stuhl sitzt. Sehr imposant!
Es wimmelt von Leuten, Familien, Schulklassen, Soldaten, alle strömen zum Monument um sich davor gegenseitig zu fotografieren. Ich gucke diesem Schauspiel eine halbe Stunde fasziniert zu. Die Leute stehen im Halbkreis vor dem riesigen Lincoln Denkmal und warten, bis sie die Chance haben, vorzutreten und ihre Fotos zu machen. Sie sind stolz und glücklich. Eltern und Großeltern erklären ihren Kindern und Enkelkindern, wer hier geehrt wird. Ein sehr junger Soldat in Uniform ist mit seiner Freundin hier und älterer Herr tritt auf ihn zu und bedankt sich bei ihm, dass er im Krieg (Irak?) war.

Die Seitenwände enthalten Inschriften von Reden Lincolns über den Unabhängigkeitskrieg, der diese Nation geeint und stark gemacht hat. Von den Stufen des Memorials gibt es eine Sichtachse zum Capitol hill, unterbrochen auf halber Strecke von dem Washington Memorial.
Nicht weit vom Lincoln Memorial ist das Vietnam Veterans Memorial, ein Denkmal zur Erinnerung an all jene US Soldaten, die im Vietnamkrieg gefallen sind. Es ist eine Granitwand, in der Namen der gefallenen Soldaten eingraviert sind.  Vor der Wand liegen Fotos, Blumen und Briefe. Die Briefe sind von Schülern geschrieben und sie bedanken sich dafür, dass die Soldaten für sie im Krieg waren, für Freiheit und Gerechtigkeit gekämpft haben und dadurch heute ein Leben in Freiheit in den USA möglich ist. Es ist beklemmend und macht mir ein mulmiges Gefühl, als ich den Weg an dieser Wand entlang gehe, auch, weil ich diese Interpretation nicht wirklich nachvollziehen kann. Ich lese ein wenig später folgenden Satz:
A stated goal of the memorial fund was to avoid commentary on the war itself, serving solely as a memorial to those who served. (Ein erklärtes Ziel des Erinnerungsfonds war es, Kommentare über den Krieg als solchen zu vemeiden, sondern nur derer zu gedenken, die in diesem Krieg gedient haben.)

Es gibt natürlich auch zahlreiche Kioske, wo man Erinnerungssticker, Embleme u.d.g.m. kaufen kann. Mit läuft es kalt den Rücken runter, als ich diese Memorabilien sehe.

Dieser Park ist nicht nur ein Platz, um der Nation Erklärung, Hoffnung und eine Mission zu geben, hier gedenkt Amerika seiner Kreigsgefallenen. Hier wird auch der Opfer des Holocaust und des Koreakriegs gedacht.

Ein halbe Stunde Fußweg entfernt, am anderen Ende des Parks ist das Kapitol. Eine nette Abwechslung auf dem Weg dahin der Skulpturengarten der Nationalgalerie.

Das Kapitol auf dem Capitol hill (wie in Rom) ist ein riesiges, imposantes Gebäude, eine perfekte Zurschaustellung von Größe und Macht. Das Gebäude selbst ist ein Mashup aus verschiedenen Baustilen, italienische und französische Bauwerke haben die Architekten sehr beeinflußt.
Seit letztem Jahr gibt es auf der Vorderseite ein unterirdisches Besucherzentrum. Hier sind sehr anschaulich die Geschichte der USA, die Aufgaben und Funktionen von Senat und Kongreß erläutert udn man gelangt auch in die Kongreß Bücherei, wo die Unabhängigkeitserklärung liegt. Man kann auch an Sitzungen des Senats und Kongresses teilnehmen, aber dafür muß man sich mindestens 6 Monate vorher bei seinem Abgeordneten anmelden.

Zurück Richtung Downtown, gehen wir auf der Constitution Avenue, die gesäumt ist von Häusern des Smithsonian Museums, Botschaften und Regierungsgebäuden. Alles sehr monumentale Bauten und irgendwie unpersönlich. Ich habe das Gefühl, dass sich das Leben hier hinter den Kulissen oder unterirdisch (der gesamte Regierungskomplex, vom Kapitol bis zum Weissen Haus ist per Tunnel verbunden) abläuft.
Irgendwie ist Washington mir unheimlich.

Ich krieg die vielen Bilder, die ich von diesem Land habe, noch nicht zu einem für mich schlüssigen Bild zusammen. Freundliche Menschen, teilweise sehr ungebildet, Macht, Geld, Einfluß, hybrides Essen, Armut, ein Mashup europäischer Baustile und Ideen, Moden, Design, Umweltverschmutzung, kriegerisch, keine Eßkultur, großes Land. In einem Reiseführer habe ich gelesen, dass viele Amerikaner sich in New York wie in Europa fühlen (auch wenn sie noch  nie dagewesen sind). NYC  sorg für Dynamik und Auffangstation für Kreative aus Europa und der Welt, Washingto ist Machtzentrum und nationaler Ruhepool?

Am besten lassen sich meine Gedanken mit diesem Satz zusammenfassen, den ich im Besucherzentrum des Kapitol gelesen habe: Amerika is not made. Amerika is being making.

Wir sitzen viereinhalb Stunden auf dem Flughafen, bis unser Flug gecancelt wird. Unser Flugzeug ist beim Rangieren mit einem anderen Flugzeug zusammengestoßen und dabei wurde die Tragfläche beschädigt. Die Fluggesellschaft kommt für alle Aufwendungen auf und bringt alle Fluggäste in Hotels in der Nähe unter. Wir landen im Hyatt, einem Traum in braun und beige und ausgewiesen als Designhotel. Aber die Burger sind lecker ;-)

Ich bin sehr glücklich, als wir endlich losfliegen.

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2009-03 New York City

Verfasst von Christine Graf am 8. March 2009 - 21:35

New York

New York, zum ersten Mal. Ich bin sehr aufgeregt und neugierig auf diese Stadt!
Mit einem nagelneuen Airbus flieg ich von Paris nach NYC. Der Flug ist sehr angenehm, auch, weil der der Fieger nur zur Hälfte belegt ist, so dass ich gut schlafen kann.
Wir landen 18.oo Uhr auf dem JFK Airport. Für die Einreise mußte ich schon auf elektronischem Wege ein Visa beantragen und dann nochmal auf dem Airport verschiedene Papiere ausfüllen, meine Fingerabdrücke scannen und ein Paßfoto machen lassen. Aber das geht alles lautlos und sehr schnell. Mir ist zwar ziemlich unwohl dabei, aber ich habe keine andere Chance einzureisen. Naja, mein Weg durch dieses Land wird lückenlos nachvollziehbar sein.

Mit dieser Stadt sind so viele Symbole, Erwartungen, Vorurteile und Zuschreibungen verbunden, aber ich habe überhaupt keine Vorstellungen, was mich hier wirklich erwartet. 
Wir kommen spät am Abend an, die Empfangshalle des Flughafenterminals kommt mir sehr klein und ruhig vor, ich hatte irgendwie mehr Trubel und internationales Flair erwartet. Unser Hotel liegt in Queens und es gibt einen Bus dorthin. Im Bus kann man nur mit Münzen bezahlen. Wir haben nur Dollarscheine, aber der Busfahrer winkt uns einfach durch. Wir fahren ca. 10 Minuten über das Fughafengelände bis wir auf der Straße nach Queens sind.
Die Gegend hier ist sehr dunkel, sieht sehr ärmlich, verlassen und ziemlich runtergekommen aus. Ich hoffe sehr, dass ich hier nicht aussteigen muß. Die Leute, die in den  Bus einsteigen entsprechen jedem Klischee, ich komme mir vor, als ob ich live eines dieser Musik Videos sehe.

Meine Nachbarin, total durchgestylt, telefoniert und ißt die ganze Zeit, zwischendrin bearbeitet sie ihre langen, bunten Fingernägel.  Ich frage sie nach der Straße, in der das Hotel liegt, aber sie kann mir leider keine Auskunft geben. Stattdessen steht sie auf und fragt den Busfahrer. Der guckt etwas ungläubig in unsere Richtung, fragt nochmal nach, wo wir hin wollen und bedeutet uns, sitzen zu bleiben, bis er uns ein Zeichen gibt. Also gut, wir werden schon irgendwie ins Hotel kommen. Nach einer ganzen Weile hält der Busfahrer an und bedeutet uns auszusteigen. Die Gegend sieht nicht wirklich vertrauenserweckend aus. Der Busfahrer kann wahrscheinlich meine Gedanken ahnen. Er klopft mir auf die Schulter und erklärt mir, die Gegend ist nicht so toll, die Leute sind o.k. und das Hotel ist erst im letzten Herbst eröffnet worden. Wir sollen nur um die Ecke gehen, dann würden wir das Hotel schon sehen. Und tatsächlich, das Hotel (Ramada, immerhin) ist ein nagelneues Hochhaus, ein Leuchtturm in dieser Gegend. Wir werden sehr freundlich begrüßt und sind froh, endlich da zu sein. 
Das Zimmer ist klein, alles nagelneu und das Bett ist riesig. Genauer gesagt, das Bett ist hoch, es hat ein hohes Bettgestell und darauf liegt eine ca. 30 cm hohe Matraze, zusammen ist es ungefähr einen Meter hoch. Ich muß hineinklettern, sehr ungewöhnlich :-). An der Wand ein großer Flachbildschirm, Internet natürlich per WLAN und kostenlos (wie übrigens in der gesamten Stadt!), Kaffeemaschine, Bügeleisen und Bügelbrett. Eine Ausstattung, die jedes Hotel hat, in welchem ich in den nächsten 10 Tagen in den USA übernachten werde.
Es ist Winter in New York, das heißt, es weht ein eisiger Wind und die Temperaturen liegen tagsüber knapp über Null Grad Celsius. Als wir am nächsten Morgen beim "Frühstück" sitzen, kündigt der Wettermann im Fernsehen einen Blizzard und leichten Schneefall für den Abend an. Wir machen uns natürlich darüber lustig und nachdem wir sehr amerikanisch gefrühstückt haben, machen wir uns auf den Weg nach Manhattan. Mit der Subway fahren wir bis zum Rockefeller Center. Das Center ist riesig, wir irren ein wenig umher, treffen auf ganz viele Leute, denn heute, am Sonntag findet der "Climb to the top" statt, ein Wettbewerb, den der gewinnt, der es am schnellsten zu Fuß bis nach ganz oben schafft. Vor dem Center ist eine Eislaufbahn aufgebaut und es wimmelt von Leuten, die in eisiger Kälte Schlittschuh laufen. Mir ist, als ob ich diese Szenen schon hundertmal gesehen habe, in irgendwelchen Filmen, aber es ist doch ganz anders. Breite Straßen, gesäumt von riesigen Häusern, die teilweise in den Himmel ragen und die eine Art Windkanal bilden. Es ist zeitiger Sonntagmorgen und daher noch relativ wenige Menschen unterwegs. Wir laufen vom Rockefeller Center zur Central Station, nebenan zum Chrysler Building (reinstes Art Déco, mein Lieblingsbauwerk in NYC), zur UNO (an diesem Tag leider für Besucher geschlossen), zurück via Tudorcity zur Central Station, um uns aufzuwärmen.

Die Central Station ist ein grandioses Art Déco Bauwerk, mit einer Markthalle (Food Court - hier gibt es alle Leckereien aus der ganzen Welt) im Untergeschoß und feinen Restaurants in den Seitenflügeln (Michael Jordan's Steakhouse), privaten Clubs und der großartigen Kulisse der Central Hall. Wenn man von dieser Halle auf die Bahnsteige geht, ist das wie ein Zeitflash. Man befindet sich unmittelbar im Zeitalter der Erfindung der Eisenbahn, nix mehr zu sehen vom Glanz des Art Déco Bauwerks, nur noch rauhe, kalte, graue und ein wenig verlotterte Bahnsteige.

Wir gehen weiter Richtung Empire State Building, gucken in ein paar Seitenstraßen, sehen dort wunderschöne, etwa hundert Jahre alte Häuser, hinter denen neue, moderne Hochäuser stehen. Es sieht aus, als ob die neuen Häuser die alten stützen. Es ist eine Mischung aus Prunk, Macht und Energie.

Das Empire State Building wurde in den letzten Jahren vollständig renoviert. Das Gebäude wurde zwischen 1930/1931, in nur 17 Monaten Bauzeit errichtet, die Bilder des Baus gingen um die Welt. Es ist einfach eine Pracht, man MUSS es besuchen (King Kong war auch dort ;-). Auch wenn die Touristen hier Schlange stehen, wer nicht auf der Aussichtplattform war, war nicht in New York. Schon der Weg hinauf ist aufregend, innerhalb von 45 Sekunden ist man in 60. Etage, dort steigt man um in einen anderen Aufzug und fährt bis zur 84 Etage zur Aussichtsplattform. Die Aussicht ist atemberaubend.

Es ist zwar sehr kalt und das Wetter ein wenig diesig, aber trotzdem, ich bin total fasziniert. New York wird oft verbunden mit Macht, Geld, Einluß, Stil, Kunst, Trends, Hektik, Glamour, einer gewissen Paranoia, Intelligenz, Multikulti und der "vom Tellerwäscher zum Millionär" Story. Diese Stadt hat von allem etwas, aber sie ist auch eine Stadt, wo sehr viel gearbeitet wird, eine Stadt, die sich permanent zu verändern scheint, eine Stadt mit einem riesigen Umweltproblem, eine Stadt, die jedem die Möglichkeit gibt, etwas zu machen, zu unternehmen, Unternehmer zu werden und wenn man erfolgreich ist, wird man gefeiert, zumindest für den Augenblick. Und die Leute sind überaus freundlich, offen, hilfsbereit und sehr pragmatisch.

Wir laufen weiter, die berühmte 5th Avenue entlang, den Broadway, durch little Italy, streifen Chinatown bis wir schließlich im Financial District ankommen und vor der New Yorker Börse stehen, auf die die gesamte Welt derzeit mit Hoofnung, Angst und Argwohn schaut. Natürlich, wir gehen zum Ground Zero und nach einem Tag herumlaufen in dieser Stadt, verstehe ich noch viel weniger, was Menschen dazu brachte, diese Zerstörung anzurichten. Ich kann mir jetzt aber die viel zitierte Hilfsbereitsschaft und die zum Heldentum stilisierte Aufopferung der Feuerwehrleute New Yorks in dieser Situation vorstellen.

Ach ja, die Feuerwehr. Überall in der Stadt, vor jedem Gebäude findet man wahnwitzige Hydrantenanschlüsse für die  Feuerwehr. Mindestens 5 mal täglich sieht man eine Feuerwehr mit allem, was leuchten und Krach machen kann und wehender US-Flagge durch die Straßen fahren. Egal, wo man gerade ist. Ich habe nie einen Brand gesehen.

(Mein Hotelzimmer hier in Washington ist ca. 15 Quadratmeter groß und hat 2 Rauchmelder im Zimmer, zwei im Bad und einen im Kleiderschrank.)

Wir beenden den Tag am Pier 17, am Ufer der Brooklyn Bridge. Es ist inzwischen dunkel, die Stadt ist erleuchtet, es wuselt und wimmelt, New York scheint wirklich nie zu schlafen.

Wir fahren mit der Subway zum Hotel zurück und als wir nach einer Stunde aussteigen, fängt es tatsächlich an zu schneien.
In unserem Zimmer ist es eiskalt. Der Wind pfeifft durch das Fenster herein, die Wände sind nicht isoliert, ich bin beinahe tiefgefroren. Wir drehen die kombinierte Klima- und Heizungsanlage voll auf. Wirklich regulieren kann man hier nix, entweder voll auf oder zu, egal ob Warmwasser oder Heizung. Das wäre ein großer Markt für energiesparendes Bauen!

Am nächsten Morgen liegt New York unter einer dreißig Zentimeter dicken Schneedecke begraben und ist kurz davor, den nationalen Notstand auszurufen. Es sind 12 Grad unter Null und es weht ein eisiger Wind. Der angekündigte Blizzard ist da. Die New Yorker Schulen bleiben geschlossen, im Foyer des Hotels herrscht Panik und jeder schaufelt eimerweise Tausalz vor die Türen. Beinahe jedes kommunale Fahrzeug hat eine Schaufel am Bug um den Schnee von der Straße zu räumen. Alle sind hoffnungslos überfordert. Für europäische Verhältnisse ist es ein ganz normaler Wintertag.

Wir gehen ins MoMa, das Museum of Modern Art. Es liegt in der 5th Avenue und wir müssen uns nicht anstrengen, den ganzen Tag darin zu verbringen. Es ist so wunderbar inspirierend, kreativ, offen, total abgedreht, nett, Internet überall, Fotografieren erwünscht. Nach 7 Stunden verlassen wir das Museum und haben es gerade so geschafft, uns alles anzuschauen.
Leider haben wir keine Zeit mehr, ins Guggenheim Museum zu gehen, denn wir fahren am nächsten Tag nach Washington.
Das Guggenheim Museum guck ich mir beim nächsten Besuch an, auch die UNO und den Times Square, und dann gehe ich in die MET und in den Central Park.

Eine tolle Stadt!

Wir nehmen den Bus nach Washington DC, weil wir so mehr von der Umgebung sehen. Die Abfahrt ist in Chinatown. In einem kahlen Gebäude sitzt ein Chinese hinter einer Glaswand, kaut an einem Burger und verkauft die Tickets, nur gegen Cash, versteht sich. Für 20 Dollar pro Person fahren wir von NYC nach Washington DC. Die Busfahrerin, eine kleine, drahtige und sehr energische Frau hat einen rasanten Fahrstil. Der Bus ist nur mäßig besetzt, warm und komfortabel.

Wir brauchen eine halbe Stunde, bis wir die Stadt verlassen haben und fahren eine weitere halbe Stunde an Kraftwerksanlagen, riesigen Kohlehalden und Tanklagern vorbei. Die Kraftwerke sind in Dampfwolken eingehüllt, das gesamte Gelände sieht aus wie bei Jules Verne, zumindest erinnert nichts an das angeblich reichste Land der Welt, wenn man hier durchfährt. Es ist eine riesige Energievernichtungsmaschinerie. Ich bin mir sicher, wenn man das hier alles modernisieren, die Gebäude isolieren und energetisch optimieren würde und statt Plastikgeschirr in den Hotels, Restaurants, Imbissbuden, Diner's richtiges Geschirr verwenden würde, Amerika (und die Welt) hätten kein solches Energieproblem. Ich bin fassunglos ob dieser Verschwendung auf Kosten anderer Menschen und der Natur.

Irgendwann kommen wir in Philadelphia an, wo wir den Bus wechseln müssen. Die Silhouette der Stadt sieht wirklich aus wie im gleichnamigen Film, die Vororte und Industrieanlagen auch.

Der Bus, in den wir umsteigen müssen, ist knackevoll, das Klo auch und ist irgendwie übergelaufen. Der Bus ist total berheizt, es stinkt erbärmlich, in den hinteren Reihen haben sich die Fahrgäste Tücher vor die Nase gebunden. Das mache ich auch bald während wir so auf den scheinbar endlosen Highways weiterfahren, schlafe ich ein und wache erst am Ortseingang von Washington DC wieder auf. 

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2009-02 Fano, Italien

Verfasst von Christine Graf am 22. February 2009 - 22:43

Fano

Ich fliege nach Bologna, von dort fahre ich mit dem Zug weiter nach Fano, einer Kleinstadt in der Marche Region, die zur Provinz Pesaro und Urbino gehört.
Fano liegt an der Adria, das alte Stadtzentrum liegt etwas abseits der Küste, eingeschlossen von einer noch teilweise erhaltenen Stadtmauer. Direkt an der Küste reiht sich ein Hotel ans andere, der Strand ist schmal und nicht eben besonders weitläufig. In der zweiten Reihe stehen noch einige schöne alte Villen, mit großen, parkähnlichen Gärten, dazwischen jede Menge Appartmentanlagen.
Italiener aus der gehobenen Mittelklasse machen hier Urlaub bzw. verbringen hier den Winter. Die Altstadt ist schön, mit verwinkelten Gassen, unzähligen Restaurants und Boutiquen. Die Römer haben sie gebaut, es gibt noch den Arche de Augustus, einen kleinen Triumphbogen aus römischer Zeit und davor steht ein Denkmal des Kaisers.
Es ist beinahe völlig egal, wo man ißt, das Essen ist überall lecker. Einzig mit dem kühlen italienischen Design habe ich gelegentlich meine Schwierigkeiten. Viel Weiß, viele Fliesen, viel Neonlicht, nicht eben romantisch.
Ich war schon öfters hier, seit mehreren Jahren arbeite ich mit einem Schulungsunternehmen aus der Region zusammen. Allerdings hatte ich bisher kaum Gelegenheit etwas von der Gegend kennenzulernen. Wir haben intensiv gestritten, diskutiert und gearbeitet, so manch neue Idee entwickelt und realisiert und, ganz wunderbar, mittlerweile benutzen sie in diesem Unternehmen open source Software, wie open office, Joomla, Drupal und Moodle. Ergebnis meines 5jährigen viralen Marketings ;-)

2008-11 Ljubljana, Slowenien

Verfasst von Christine Graf am 25. November 2008 - 15:39

2008-11 Meeting Velenje, Slovenia

Slovenien ist ein weißer Fleck für mich.

Außer, dass dieses Land 2 Millionen Einwohner hat, an Österreich, Italien, Ungarn und Kroatien grenzt, und 1991 seine Unabhängigkeit vom ehemaligen Jugoslawien erklärt hat, weiß ich nicht wirklich etwas über diesen Flecken Europas.
Meine slowenische Kollegin erzählt mir, dass die Slowenen schon immer den größten Anteil zum Bruttosozialprodukt Jugoslawiens beigetragen haben und irgendwann die Nase voll hatten von der zentralen Verteilung der Güter und des Geldes durch Belgrad.

2008-11 Velenje, Slowenien

Verfasst von Christine Graf am 25. November 2008 - 15:14

2008-11 Meeting Velenje, Slovenia

Ich beginne ein neues Projekt, das erste Meeting findet in Velenje statt. Ich lande in Ljubljana, fahre mit dem Taxi vom Airport zum Bahnhof - teuer, aber sehr unterhaltsamer, fließend englisch sprechender Geschäftsmann. Vom hier fahre ich weiter mit dem Bus.
Velenje liegt ungefähr 80 Kilometer nördlich von Ljubljana. Diese Stadt wurde ab Ende der 50iger Jahre neu erbaut. Vorher gab es dort nur eine Burg und ein paar Häuser drumherum. Aber unter der Erde war Kohle, viel Kohle. Um die Kohle abzubauen, brauchte man Arbeiter. Also starteten die Behörden eine Kampagne und zogen durch die Lande, um Arbeiter für den Untertagebau zu gewinnen.

2008-11 Helsinki, Finnland

Verfasst von Christine Graf am 19. November 2008 - 13:42

Helsinki

Ich bin für vier Tage in Helsinki. Das gleiche Wetter wie in Stockholm, grau, kalt und Regen.

Aber die Menschen, die sind anders!
Ich stehe buchstäblich im Regen versuche mein Hotel auf dem Stadtplan zu finden. Jemand fragt mich, wo ich hin will und erklärt mir den Weg. Sooft ich unterwegs anhalte um auf meinen Stadtplan zu schauen, hilft mir ungefragt jemand weiter. Im Hotel angekommen, bietet der Concierge mir sofort einen Kaffee an und läßt meinen Koffer aus Zimmer bringen.

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