Die Bin Ladens: Eine arabische Familie - Steve Coll

Ein Dickes Buch. Ich hab es mir gekauft im Bahnhofsbuchladen in Frankfurt. Toller Laden übrigens.

Ich sehe das Bild mit den Flugzeugen auf dem Cover und denke daran, wie es so war - am 11.09.01. Ich unterrichtete damals online eine grössere Gruppe. Im Chat las ich über den Flugzeugabsturz und hielt es für einen Witz. Ich setzte meinen Unterricht fort. Dann hatten wir eine Pause und ich sass mit mit allen, die gerade bei uns im Hause waren (Meine Frau, zwei Töchter, mein Vater) fassungslos vor dem Fernseher. Der stand damals im Schlafzimmer, jetzt haben wir gar keinen mehr :-). Unsere Überzeugung war nach ein paar Minuten, dass es Krieg geben wird. Irgendwo auf der Welt werden die Amerikaner Krieg führen.

Das ging mir in Bruchteilen von Sekunden durch den Kopf als ich das Buch in die Hand nahm. Es handelt nicht "nur" von Osama Bin Laden, sondern von seiner Familie.

Eine Art Buddenbrooks auf arabisch - nicht so literarisch aber ich musste dran denken. Es ist die Geschichte des Arbeiters Mohammed, der aus dem Jemen nach Saudi Arabien kommt und nach kurzer Zeit Bauaufträge für das Königshaus erledigt. Er baut alles: Strassen, Paläste, Häuser, Moscheen, Flughäfen, etc. Mohammed hat Dutzende von Kindern und stirbt bei einem Flugzeugunfall. An dieser Stelle geht die Story eigentlich erst richtig los. Jetzt verlagert sich die Geschichte der Familie Bin Laden mit den nachfolgenden Generationen in die gesamte Welt. Zu den USA gibt es ein besonderes Verhältnis, da die USA die "Schutzmacht" Saudi Arabiens sind und das Öl lebensnotwendig benötigen.

Es ist eine Geschichte, beeinflusst von Religion, Untertanentum, Modernität, Reichtum ... der Stoff aus dem Hollywoodfilme bestehen. Auf der einen Seite ist die alles sehr spektakulär, auf der anderen Seite sehr bieder und vorhersehbar. Was mich fasziniert sind die Strukturen einer solchen Grossfamilie. Sie besteht heute aus hunderten mit Nachkommen. Osama ist einer davon! Die Familie wird Osama überleben. Er ist nur ein spektakulärer aber kleiner Teil der Familiengeschichte. Das Buch ist erfrischend neutral geschrieben und hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Jetzt liest es gerade Christine und so habe ich es nicht zur Hand um ein paar Zitate einzufügen.

Absolut lesenswert!

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