Berufliche Neuorientierung
Mai 2007
Ein Arbeitnehmer mittleren Alters wollte seine berufliche Situation verändern und hatte sich bereits mehrfach auf Stellenausschreibungen beworben.
In Vorstellungsgesprächen war er sehr nervös und nicht wirklich in der Lage, über sich und seine Fähigkeiten zu sprechen. Auf persönliche Empfehlung einer Bekannten begann er ein Coaching bei Christine Graf.
Das Coaching fand wegen großer räumlicher Distanz online und per Telefon statt.
Der Client übermittelte alle seine Bewerbungsunterlagen per e-mail, so dass sich der Coach ein Bild von seinem Lebenslauf und seinen Fähigkeiten machen konnte.
Die schriftlichen Ausführungen waren sehr knapp und ließen wenig Rückschlüsse auf die wirklichen Kenntnisse und Fähigkeiten des Clienten zu.
Der Coach ließ den Clienten zunächst von seiner täglichen Arbeit erzählen. Auf Nachfragen reagierte er sehr stockend.
Der Client nahm verwundert zur Kenntniss, dass sich eine fremde Person für ihn interessiert. Gleichzeitig war ihm das unheimlich und machte ihm Angst.
Er war bereit, dieser Angst auf den Grund zu gehen, da er Ähnlichkeiten mit seinem Verhalten in Vorstellungsgesprächen erkannte.
Er erinnerte frühkindliche Situationen, in denen er große Angst verspürte und Abweisung durch Autoritäten erfahren hatte.
Zum eigenen Schutz entschloß er sich, keine Gedanken und Gefühle von sich preiszugeben. Seine Reaktion in Vorstellungsgesprächen und in Krisensituationen war ähnlich. Er verstummte einfach.
Dadurch verbaute er sich selbst die Möglichkeit, sich zu präsentieren und mit all seinen Gedanken und Gefühlen wahrgenommen zu werden.
Seine Bewerbungen wurden negativ beschieden. Das nahm er als Bestätigung für die Richtigkeit seines eingeübten Verhaltens.
Am Ende der ersten Sitzung war der Client in der Lage, diesen Mechanismus zu erkennen und er war bereit, seine schriftlichen Ausführungen zu überarbeiten.
In der zweiten Sitzung waren seine mündlichen Ausführungen schon viel detallierter und flüssiger. Der Client war erstaunt, wieviel er von sich erzählen kann.
Für die dritte Sitzung bereitete er seine Bewerbungsunterlagen auf und im verteilten Rollenpsiel übten Client (= Arbeitgeber) und Coach (=Bewerber) Vorstellungsgespräche.
Der Client beendete das Coaching mit einer größeren Bewußtheit über seine innerpsychischen Vorgänge und einem größeren Selbstwertgefühl.

